[Erfahrung] Entzugserscheinungen & Milchprodukteverzicht

Hallo Welt,

ich geistere schon lange um dieses Thema herum. Beginne und lösche und fange wieder von vorn an. Ich weiß nicht, ob es mir damals geholfen hätte, hätte ich über sowas gelesen, ob es mich beruhigt oder abgeschreckt hätte. Dennoch möchte ich es einfach gern mit euch teilen, weil ich es wichtig finde.

Ich hatte schon mehrere Entzüge von diversen Dingen. Letztes Jahr war es die Cola light, die ich mir mühevoll abgewöhnt habe. Und man mag es glauben oder nicht, aber schon da hatte ich Entzugserscheinungen in Form von Grilligkeit und auch Kopfschmerzen. Von dem Teil mit der Gewohnheit mal ganz zu schweigen.

Auch bei der allgemeinen Ernährungsumstellung weg von Zucker und all den anderen Dingen, wie Brot, Nudeln, Reis usw. hatte ich Entzugserscheinungen. Hier gibt es allerdings einen Begriff dafür: Die Ketogrippe oder Atkinsgrippe. Die äußert sich tatsächlich mit grippeähnlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit usw. Oder besser gesagt, sie kann sich so ausdrücken, muss es aber nicht. Jeder Mensch funktioniert da anders. In den Genuss derselben bin ich nicht vollständig gekommen, mir haben Migräne und Müdigkeit schon gereicht.

Der menschliche Körper braucht angeblich 21 Tage um sich vollständig umzugewöhnen und das sind wohl auch die 3 Wochen in denen die meisten „Diäten“ scheitern. Ich hatte beim Cola-Entzug mehrere Anläufe ehe es mir geglückt ist. Da funktioniert jeder Mensch auch anders: Die einen schleichen lieber aus, die anderen lassen von heut auf morgen alles weg. Das muss jeder für sich ausprobieren.

Mein letzter Entzug fand erst vor kurzem bei Milchprodukten statt. Ernsthaft? Aber ja. Ich hab selbst nicht damit gerechnet und doch irgendwie schon. Als ich aber feststellte, dass ich tatsächlich Entzugserscheinungen beim Weglassen von Käse, Sahne und Milch hatte, war ich irgendwie doch entsetzt.

An einem Freitag hatte ich meine letzten Milchprodukte in Form eines Quarkauflaufs schnabuliert. Zwei Tage späer begann es mit schleichenden Kopfschmerzen. Die waren sogar halbwegs erträglich für meinen Geschmack. Und ich dachte, na Mensch, die kann ich auch aussitzen, immerhin ist das keine Migräne. Irgendwann ging es dann über in Müdigkeit und Abgeschlagenheit und ich wurde richtig gehend unkonzentriert und vergaß alle möglichen Dinge. Ich wurde grantig und traurig gleichzeitig. Ich war genervt. Von mir, dem Einkaufen und dann von der ganzen Gesellschaft. Das ganze dauerte ungefähr eine Woche, dann ging es wieder bergauf.

Von manchen Leuten wird das ganze – glaube ich zumindest – als Mangelerscheinungen interpretiert. Und dann begehen sie einen klassischen Fehler: Wenn es mir schlecht geht, wenn ich das weglasse, dann kann ich es nicht weglassen, dann muss ich es weiter konsumieren. Den Fehler habe ich auch des Öfteren gemacht. Lieber weiter essen als zu leiden wegen so einem Mist. Ja? Nein, das ist nämlich der Fehler.

Edit: Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es in diesemBeitrag vor allem um einen gesundheitlichen Aspekt geht, abseits von der bloßen Gewichtsabnahme als Ziel. Wichtig ist und bleibt, dass man seinen Körper respektiert und auf ihn hört. Es kann bei sowas auch durchaus Mangelerscheinungen geben. Aber vorrangig geht es hier darum, dass man Dinge bewusst und für eine begrenzte Zeit lang weglässt, um deren Verträglichkeit hinterher testen zu können.

Eine Gegebenheit ergab sich, dass mir an einem Tag gesagt wurde, dass man es nicht für gut befinde, wenn ich das täte, denn es würde mir ja offensichtlich schaden bzw. zu viel Einfluss auf mein Leben haben und sich indirekt darauf auswirken? Ich musste ausholen, um zu begründen, wieso ich das tue und was da offensichtlich mit mir passiert. Machen wir uns nichts vor: Lasst mal für eine Woche den Morgenkaffee weg, lasst eure Limo weg, lasst die Schokolade im Regal liegen, ja bei den Göttern, schafft den Fernseher in den Keller und verzichtet auf die Flimmerkiste (Ich lebe selbst übrigens seit fast 8 Jahren ohne TV und empfinde ihn mittlerweile  als störend, nervig und sinnlos, aber die ersten Monate ohne ihn hat mir auch was gefehlt). Ich garantiere, ihr werdet irgendwie irgendwas vermissen und es wird euch grantig machen und ihr wollt euren „Stoff“. Und ihr seid dankbar wenn die eine Woche rum ist und ihr endlich wieder eure Gewohnheiten ausleben könnt. Aber man muss halt Ersatz dafür finden und sein Leben entsprechend auch eventuell etwas umstrukturieren, was aber überhaupt nicht schlimm ist. Es inspiriert auch.

Eine Abhängigkeit allerdings mit dem Stoff zu befriedigen lässt einen wieder in die Abhängigkeit rutschen. Wenn ich wegen der Milchprodukte Entzugserscheinungen hatte, muss ich sie durchstehen und nicht vorzeitig wieder essen, weil es dann wieder von vorn anfängt. Man sagt doch einem Raucher auch nicht, dass er dann halt eine Zigarette rauchen soll, wenn sie ihm fehlt? Das startet den Kreislauf doch wieder von vorn. Deswegen: Egal was für einen Entzug ihr gerade macht, durchhalten!



 

Kommen wir nun zu den Milchprodukten und der eventuellen Ursache (Garantien gibt es ja leider nie ;)) der Entzugserscheinungen. Ich möchte – wie üblich – vorher aber betonen, dass es sich hierbei um meine persönliche Meinung und Erfahrung handelt. Ich möchte niemanden belehren oder bekehren. Jeder ist selbst für sich verantwortlich und kann und darf selbst entscheiden, was auf den Teller kommt!

In unseren Breitengraden gelten Milch, Käse, Joghurt und Co als die Kalziumlieferanten und sind außerdem beliebt als Eiweißlieferanten (beides berechtigterweise wohl gemerkt, wenn man sich die Werte ansieht). Was ich aber selbst bis vor kurzem nicht so wusste ist folgendes: Milch enthält Casomorphine. Einfach gesagt: Milch ist das Erstnahrungsmittel für Neugeborene, das gilt für Kälber, Zicklein und Menschenbabies gleichermaßen. Und in dieser Milch sind Stoffe drin, die die Kleinen beruhigen und die Mutter-Kind-Bindung verstärken sollen. Casomorphine werden deshalb als eine Art Opiat gehandelt, die schmerzstillend wirken, beruhigend und blutdrucksenkend.

Ich möchte die Milchprodukte auf gar keinen Fall verteufeln! Ich mag Milchsachen in allen Variationen. Aber zumindest dieser Teil erklärt für mich, wieso es zu solchen Entzugserscheinungen kommen kann, wie ich sie oben beschrieben erlebt habe. Ich persönlich finde das schon etwas gruselig, das muss ich zugeben. Zumindest für den Leptinreset werde ich sie weglassen und dann mal sehen, ob ich sie vertrage, ob ich überhaupt etwas verändert oder nicht. Das kann man immer erst sagen, wenn man es denn mal probiert hat.

Kalzium übrigens bekommt man auch ausreichend aus grünem Gemüse, wenn das jemandes Sorge sein sollte, der der Meinung ist, nur Milchprodukte könnten dies ausreichend liefern. Die DGE empfiehlt wohl 1000mg Kalzium für einen Erwachsenen. Mal davon abgesehen, dass ich dem Verein sonst nicht so traue, was Nahrungsmittelempfehlungen angeht, aber da ich anderweitig ebenso viele Angaben dazu gefunden habe, gehe ich mal davon aus, dass es stimmt. Grünes Gemüse hat viel Kalzium. Nüsse haben auch viel Kalzium und selbst Mineralwasser hilft beim Abdecken des Bedarfs. (Beispielliste) Wer sein Essen diesbezüglich gern mal auf die Probe stellen möchte, dem lege ich fddb.info ans Herz. Das ist eine Datenbank mit Lebensmitteln und vieler ihrer Werte, neben Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettgehalt kann man sich da auch die Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium und Kalzium anzeigen lassen.

Um sich mit diesem Thema verstärkt auseinander zu setzen, gibt es haufenweise Artikel und Meinungen dazu. Dazu gebe man lediglich Milch schädlich? oder Milch ungesund ein und schwupps hat man mal so eben bis zu 278.000 Ergebnisse, die man ausgiebig durchforsten kann. ;) Man muss nur die jeweilige Lobby dazu beachten – also wer schreibt was um welches Ziel zu erreichen? Dass Veganer anders argumentieren als die DGE oder Paleomenschen dürfte dabei sicherlich klar sein.

Wie immer gilt es auch bei diesem Thema: Umsichtig informieren und sich dann seine eigene Meinung zu bilden. =) Und vor allem: Immer auf den eigenen Körper hören.

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7 Gedanken zu “[Erfahrung] Entzugserscheinungen & Milchprodukteverzicht

  1. reckenundschmecken schreibt:

    Das hast du echt interessant geschrieben! Ich nehme sehr viele Milchprodukte zu mir und würde wahrscheinlich ziemlich ratlos sein, wenn ich sie plötzlich nicht mehr zu mir nehmen würde. Ich finde auch gut, dass du betonst, dass Probleme bei der Umstellung nicht gleich bedeuten, dass man seinem Körper was Schlechtes antut. Nur sollte man da unterscheiden, ProAna-Anhänger nutzen leider oft genau das gleiche Argument… (nicht, dass ich denke, du würdest das auch so angehen, nur ein Gedanke).

    • gaumenkunst schreibt:

      Das ist natürlich ein gutes Argument, daran habe ich nicht gedacht.
      Eigentlich geht es ja vorrangig um die Gesundheit und dass, wenn man aus bestimmten Gründen – und nicht allein um des Abnehmen Willens – etwas weglässt, sei es Gluten oder Lactose oder was auch immer, dies aus vorrangig gesundheitlichen Gründen geschieht. Ich hatte dieses Wissen leider bei meinen ersten Versuchen nicht, vor allem bei den Milchprodukten hat es mich dann doch einigermaßen unerwartet erwischt, insbesondere in dem Ausmaß.
      Letzten Endes hoffe ich natürlich, dass meine Leser ihren Körper kennen und ihm nicht schaden, sondern helfen wollen und alles was sie tun, mit Bewusstsein und Respekt ihrem Körper gegenüber tun.

  2. giftigeblonde schreibt:

    Ich denke du hast recht.
    Wobei ich keinerlei Entzugserscheinungen spüre wenn ich Milchprodukte weglasse über längere Zeit, vielleicht deshalb weil ich sie nicht soo oft zu mir nehme, schon gar nicht im Urzustand.
    Aber eine Woche ohne meinen geliebten Kaffee letztes Jahr…da hatte ich definitiv Entzugserscheinungen.

    Nur ich denke mir solange mir Kaffee nicht schadet (im Gegensatz zur Milch und Yoghurt zb) werde ich nicht auf dieses Suchtmittel verzichten.
    Aber das muss auch wieder jeder für sich entscheiden.

    • gaumenkunst schreibt:

      Ja, eben genau das meine ich, wenn man weiß was einem gut tut und man seinen Körper kennt, dann weiß man auch, was man konsumieren kann und was nicht. Es kommt immer auf das richtige Maß an. =)

  3. Hans Mecembe schreibt:

    um abwägen zu können was wahr und was falsch ist, muss man auch die gegenteiligen Behauptungen betrachten. Das heißt Du musst dann auch Milch + gesund bei der Suche eingeben. Ich kann es nicht sagen. Ich habe auch das Gefühl, dass Milch irgendwas in meine Körper anrichtet, aber ich habe auch das Gefühl, dass Milch gesund ist. Nirgends wird beschrieben warum gerade Milch den Leptinreset verhindern soll. Klar morgens sollte man die dann wohl nicht zu sich nehmen. Von den Laktoseintolleranz Symptomen weise ich nur aufgeblähten Bau, kalten schweiß auf. Aber da ich mich in Tolleranz üben möchte probier ich es einfach aus und 2 Liter Milch am Tag haben noch keinen Durchfall bei mir erzeugt. Allerdings senkt es erheblich meinen Hunger und mein Stoffwechsel als der kalte schweiß läuft ziemlich auf Hochtouren, obwohl meine Kalorienzufuhr geringer ist.
    Mit verarbeiteten Milchprodukten wie Joghurt Kefir oder Quark oder Käse funktioniert das komischerweise nicht.
    Ich weiß nicht was die Milch da im Körper macht, aber all die Symptome, welche für Milch angeführt werden, sind auch bei Entgiftungen die Begleiterscheinungen.
    Ja ich will das jetzt noch mit dem Leptinreset kombinieren, indem ich früh, gleich nach dem Aufwachen ein Hähnchenschitzel und 2 Eier verputze und 2 Stunden später darf auch die Milch rein. Mal schauen.

  4. Steph schreibt:

    Hallo, danke für diesen Artikel! Ich bin seit 4 Monaten auch unter die LowCarber gegangen und es geht mir gut. Am Anfang hatte ich die LowCarb-Grippe, aber das ließ sich überwinden.
    Seit 4 Tagen verzichte ich nun auch komplett auf Milchprodukte. Und schau: seit gestern habe ich leichte Kopfschmerzen, fühle mich leicht angeschlagen und nicht mehr ganz so fit wie vor einer Woche. Ich war schon am Überlegen, ob ich nicht doch ein bisschen Sahne ins Essen schütten soll.
    Aber zum Glück habe ich diesen Artikel entdeckt und bin ganz beruhigt – und gleichzeitig auch ein wenig entsetzt. Ich hatte nicht erwartet, dass beim kompletten Milchverzicht wieder eine Art LowCarb Grippe auftritt. Jetzt bin ich allerdings beruhigt :-)
    Toller Blog übrigens, und viel Erfolg weiterhin!

    • gaumenkunst schreibt:

      Hallo Steph,
      vielen Dank für einen Kommentar! Ja, ich war auch sehr entsetzt, dass man sogar davon gewisse Entzugserscheinungen bekommen kann. Aber das wird überall so sein, wenn man etwas weglässt, sogar beim Fernsehen ;). Übrigens, wenn man einen Entzug mit dem zu Entziehenden unterbricht gibt es gewissermaßen einen Reset und man muss von vorn anfangen, das ist immer sehr tückisch.
      Ich hoffe du hast den Entzug und die LowCarb-Grippe überwunden und konntest dich gut mit deiner neuen Ernährungsweise einfinden.
      Liebe Grüße!

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