Die Sache mit den Nachbauten

Hallo Welt,

heute gibt es einen Beitrag, der krankheitsbedingt als Lückenfüller dienen muss. Gleichzeitig ist er auch irgendwie eine Grundlage bzw. meine persönliche Meinung.

Es geht um ein Thema, das mich immer wieder und schon sehr lange beschäftigt: Die Nachbauten. Also jene Dinge, die man sich nach einem Vorbild zurecht bastelt, weil man manche Inhaltsstoffe nicht mehr essen mag oder darf, aus welchen Gründen auch immer. Bestes Beispiel auf diesem Blog: Die verschiedenen Pfannkuchen. American Pancakes kann ich eben nicht mehr jeden Tag essen und möchte es auch nicht mehr unbedingt. Also fängt man an herumzuexperimentieren und Sachen auszutauschen. So lassen wir den Zucker weg und nehmen Süßstoff (mittlerweile auch den nur noch eher ungern), Mehl ersetzen wir durch anderes Mehl, manche lassen Milchprodukte weg und schwenken auf Sojasahne oder ähnliches um. Wir verändern also unsere Mahlzeit so, dass sie wieder in unseren Ernährungsplan passt.

Wenn es euch also nach einem bestimmten Lebensmittel lüstet, dann habt ihr ein adäquates Ersatzmittel erschaffen, das eure Lust befriedigt – auch wenn es nicht haargenau nach eurem ursprünglichen Rezept schmeckt, aber nahe dran ist besser als gar nichts. So oder so ähnlich. Fertig ist der Nachbau. Das ist durchaus gerechtfertigt! Aus solchen Gründen gibt es für Vegetarier beispielsweise auch so Nahrungsmittel wie „vegetarische Bratwurst“ oder „vegetarisches Schnitzel“.

Reden wir nun über Konditionierung. Bevor du deinen Hund abends fütterst, machst du den Kühlschrank auf und gibst ihm danach sein Futter. Dein Hund wird lernen: „Geht die Kühlschranktür auf, bekomme ich Futter“. Also immer wenn die Kühlschranktür dann aufgeht, wird er Parade nach seinem Futter stehen. Klassische Konditionierung. Funktioniert auch hervorragend bei uns Menschen (sei es der Kuchen zum Geburtstag, das Schmücken zu Weihnachten oder das Zünden von Raketen zu Silvester – es gehört eben dazu, sagen wir uns. Und jeder der das anders macht, ist für uns komisch oder nicht normal.)

Nehmen wir nun an, jemand entscheidet sich seine Ernährung umzustellen. Er ist es gewöhnt abends Brot zu essen, mittags gibt es Nudeln und morgens eine ordentliche Portion Müsli oder Brötchen. Nehmen wir an Person X entschließt sich einfach abends die Kohlenhydrate wegzulassen und kauft sich stattdessen Eiweißbrot, wie es ja mittlerweile zu Hauf überall angeboten wird. Er freut sich, dass es so einfach ist seine Ernährung umzustellen. Aber hat er damit die Gewohnheit durchbrochen? Nein. Oder er bäckt stattdessen ein eigenes Brot mit für ihn passenden Zutaten. Hat er dann die Gewohnheit durchbrochen? Nein.

Und da ist der Knackpunkt. Die Gewöhnung. Wenn ich mich entschließe etwas zu ändern, wenn ich gern aus der Konditionierung ausbrechen möchte, dann muss ich diese Gewohnheit absetzen. Und zwar idealerweise radikal. Dann muss ich sowohl auf den Stoff als auch auf die Nachbaute verzichten, die mich an meinen Stoff erinnert. Man ersetzt sonst eben die eine Sucht mit einer anderen. Deswegen esse ich zum Beispiel zu Geburtstagen entweder richtigen Kuchen oder lieber gleich gar nichts.

Allein schon die ganzen Pfannkuchenrezepte, die ich derzeit poste, sind alle Nachbauten, weil ich die normalen Pancakes halt nicht essen möchte und mich auf neue Rezepte, die eher herzhaft sind, noch nicht so einlassen kann, wie ich das gern hätte…

Warum pranger ich das jetzt an und sage trotzdem, es ist momentan noch okay?!

Ich befinde mich derzeit in einer Umstrukturierungsphase. Ich probiere neue Dinge aus, lasse alte Dinge weg. Es ist ein Übergang. Nicht alles lässt sich sofort und radikal ändern. Also bastle ich mir einen Ersatzstoff, wenn ich nach dem Original giere, als mir das Original zu machen und mich hinterher fürchterlich zu ärgern, weil es mir meine Abnehmbilanz zerschießt, mich aus der eventuellen Ketose haut oder mein Wille nicht stark genug war, gegen das Verlangen anzukämpfen.

Aber ich sehe mich eigentlich auf einem guten Weg, weg von diesen Ersatzessen. Raus aus der Konditionierung. Es ist allerdings echt schwer in einer Welt von so viel geilem Essen seinen eigenen gesunden Weg zu finden, wenn man dann als unnormal oder komisch heraussticht.

Nachbauten sind für mich noch kleine Helferlein, die ich nutze, wenn es nicht anders geht. Ansonsten, dazu stehe ich offen, nehme ich mir einen Tag „frei“ und dann back ich mir das, worauf es mich juckt und esse das genussvoll und geplant. Dann esse ich lieber dreckig und den guten Stoff als die Nachbaute und giere immernoch nach dem Original. Dann wird man nicht verführt oder verleitet. Man selbst hat die Entscheidungen in der Hand, wie man isst. Und entweder man entscheidet sich dafür und steht dazu, ohne hinterher über Dickmacher oder zuviele Kalorien zu jammern oder man entscheidet sich dagegen und lässt es.

Wichtig ist dabei aber, dass man wieder zurück findet. Ich bin mittlerweile so stabil, dass ich sagen kann, ich esse heute Kuchen und Pizza und morgen kehre ich wieder zu meiner regulären Ernährungsweise zurück. Natürlich habe ich auch gute und schlechte Phasen, wo es mal besser und mal weniger klappt. Wer kann schon von sich behaupten er sei perfekt?

Irgendwann in nächster Zukunft, vielleicht schon nächstes Jahr kann ich sagen, ich bin so gut, ich brauche nichts mehr von beidem. Aber selbst nach 2 Jahren LowCarb würde ich nicht sagen: Jepp, so ist es gut, so kann es bleiben. Ich finde immer wieder neue Erkenntnisse, neue Erfahrungen und Dinge, die ich entsprechend gern ändern würde. Denn wie heißt es so schön: Stillstand ist der Tod. Wenn ich glaube, ich hätte ausgelernt, wüsste alles, was ich wissen müsste, dann hätte ich persönlich nichts mehr wonach es sich zu streben lohnt.

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